Schwarmbörse
Schwarmbörse

Imkern mit Naturschwärmen

Die Impulse für das Schwarmgeschehen kommen aus dem Volksorganismus, dem natürlichen Jahreslauf und der Witterung. Am Anfang des Schwarmprozesses steht ein Auflösungsprozess des Muttervolkes der sich schrittweise vollzieht und im Abgang des Schwarmes seinen offenkundigen Höhepunkt hat.

Schwärme, so genannte „nackte“ Völker, gehen in der freien Natur durch einen Nullpunkt. Sie bestehen zunächst nur aus Bienen,
Königin und Drohnen, deren Verbindung sich in der Gestalt der Traube zeigt. Der Schwarm hängt sich zunächst an einer Anlegestelle in der Nähe seines Auszuges auf. Dann suchen Spurbienen einen Hohlraum in einem Baum, Fußboden oder Ähnlichem. Diese Wohnungssuche, der Prozess der Kommunikation und Einigung der Spurbienen ist detailliert von Prof. Lindauer und Prof. Seeley untersucht worden. Das neue Volk entsteht erst nach und nach in der neuen Wohnung. Waben werden gebaut, ein wachsendes Brutnest anlegt und Vorräte sammelt. Der Bien bildet seine Organe aus.

Als erstes geht der Vorschwarm mit der der alten Königin ab. Es folgen ein oder mehrere Nachschwärme in denen sich in aller Regel mehrere Jungköniginnen befinden.

Termin des Abganges von Schwärmen

Durch die genaue Kenntnis über den Entwicklungszustand der Weiselzellen in den Völkern konnte weiter untersucht werden, ob und welche Beziehung zwischen der Entwicklung der Zellen und dem Abgang der Schwärme besteht. Im Verlauf der vier Jahre des Forschungsprojektes ist kein Vorschwarm abgegangen, bevor nicht die erste Weiselzelle im Volk verdeckelt wurde. Diese Tatsache ist für die Arbeitsplanung des Imkers von großem Nutzen. Allerdings lässt sich keine zuverlässige Aussage darüber machen, wann nach dem Zeitpunkt der ersten Zellverdeckelung der Vorschwarm abgeht.
In einigen Fällen ging überhaupt kein Vorschwarm ab. Solch ein Verhalten kann durch eine anhaltende Veränderung des Wetters oder der Tracht bewirkt werden. Manche Völker brechen aber ohne nachvollziehbaren Grund die Schwarmstimmung ab und zerstören alle Weiselzellen. Es gibt bisher keinen Anhaltspunkt für einen Erklärungsversuch.
Bei regelmäßiger Kontrolle der Völker auf Weiselzellen lässt sich also nur der früheste Zeitpunkt für einen Abgang des Vorschwarmes vorhersagen. Er geht erst ab, nachdem die erste der Königinnenzellen verdeckelt ist. Für die Praxis heißt dies, neun Tage nach der Ablage des Eies in die Weiselzelle.

Der Vorschwarm ist etwas wählerischer und geht nur bei freundlicherem Wetter ab, der Nachschwarm scheint weniger darauf angewiesen. Er kann auch bei kühleren Temperaturen abgehen. Vor zehn Uhr morgens (Sommerzeit) ist auch an einem sonnigen, nach Süden orientierten Standort nicht damit zu rechnen. Bei später Besonnung der Bienenwohnung und des Flugloches, sei es durch die Art der Aufstellung oder durch Wetterwechsel, können auch am Nachmittag bis vier Uhr noch Schwärme fallen.

Auch der Abgang des Nachschwarmes lässt sich nicht vorhersagen. Lediglich der früheste Termin ist durch die Entwicklungszeit bis zum Schlupf der Jungkönigin bestimmt. Sechzehn Tage nach dem die alte Königin ihr erstes Ei in eine Weiselzelle gelegt hat, schlüpft daraus eine junge Königin, ohne die kein Nachschwarm abgehen kann. In der vierjährigen Untersuchung ist kein Schwarm früher als sieben Tage nach der Verdeckelung der ersten Weiselzelle abgegangen. Das beutet, dass die Jungkönigin wenigstens einen Tag lang im Volk unterwegs ist. Sie geht ausgereift und als „Bekannte“ in den Schwarm. Beim Schwarmakt und unmittelbar davor herrscht im Volk eine große Erregung. In diesem Moment schlüpfen weitere reife Weiselzellen. So finden sich dann mehrere Jungköniginnen im Nachschwarm. Wir haben Völker beobachtet, die - trotz bestem Wetters - erst einen Nachschwarm abgegeben haben, nachdem die erste Zelle schon eine Woche lang hätte geschlüpft sein müssen.

Wichtig ist zu bemerken, dass es nicht möglich ist einen Zeitraum vom dem Abgang des Vorschwarm bis zum Nachschwarm anzugeben. Die große Beweglichkeit beim Termin des Vorschwarmes, in Zusammenhang mit frühem oder spätem Abgang beim Nachschwarm schließt eine sinnvolle Vorhersage aus. Es gibt immer wieder Völker, welche trotz schon vorhandener verdeckelter Weiselzellen nicht schwärmen, sondern alle Zellen abbauen. Es gibt auch Völker, die es nur bei einem Vorschwarm belassen und keinen Nachschwarm abgeben.

Überschüssige Weiselzellen brechen

Dem ersten Nachschwarm folgen in der Regel weitere, immer kleiner werdende Nachschwärme. Die letzten sind zum Teil so klein, dass sie keine Chance haben, noch überwinterungsfähige Völker zu werden. Auch der Bienenbesatz im abgeschwärmten Muttervolk kann zu klein werden, obwohl es durch Wabenwerk und Vorräte bessere Vorraussetzungen hat als das kleine nackte Volk. In der imkerlichen Praxis ist es deshalb sinnvoll die Weiselzellen im Muttervolk zu brechen, um einer Zersplitterung in zu kleine Schwärme vorzubeugen. Eine Zelle muss allerdings stehen bleiben, damit das Restvolk nicht weisellos wird. Am besten lässt man beim Brechen der Zellen eine Königin kontrolliert ins Volk schlüpfen. Meistens sind zu diesem Zeitpunkt schlupfreife Zellen zu finden. Dann ist man sicher, dass die Volksentwicklung gut weitergeht.

Den Schwarm abnehmen

Das Abnehmen des Schwarmes von der Anlegestelle sollte erfolgen, so bald sich die Traube ganz gesammelt hat. Das gilt vor allem für Nachschwärme, die wohl schneller das Weite suchen. Das einfachste ist, wenn der Schwarm als Ganzes mit einem kräftigen Ruck in eine Kiste, einen Karton oder Eimer geschlagen werden kann. Sitzt er ungeschickt, muss man ihn in Portionen nach und nach fassen. Besen und ein Wassersprayer helfen dabei. Nachschwärme hängen sich gerne zergliedert in mehrere Trauben auf, da sie mit mehreren Jungköniginnen kein eindeutiges Zentrum haben. Bei ihnen braucht man sich um die Königin kaum zu sorgen. Beim Vorschwarm muss man auf das Verhalten der Bienen achten, um sicher zu gehen, dass die Mutter dabei ist. Am kühlen Platz beruhigt sich der Schwarm bald und hängt still als Traube an der Decke seiner Behausung. Wenn die Königin fehlt ist er unruhig und hängt wie ein Torbogen, viel mehr an den Seitenwänden, ohne Zentrum. Wenn die Königin fehlt und die Behausung ein offenes Flugloch hat, zieht der Schwarm wieder aus und geht zurück ins Muttervolk.

Es ist nicht unbedingt sinnvoll, wie in vielen Büchern empfohlen, den Schwarm dann an der Anlegestelle hängen zu lassen und erst abends zu holen. Das Risiko, dass der Schwarm wieder auszieht ist recht hoch.


Mellifera e.V.